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Winterschlaf

Im Mai 2017 ist für mich ganz persönlich die Welt untergegangen. Alle meine Versuche, die Drachenmühle wenigstens für mich alleine, für meine Filzkunst und meine Coachings zu retten, liefen ins Leere. Ich stemmte mich noch lange dagegen, obwohl ich es seit Januar eigentlich schon geahnt hatte: Dass all mein Einsatz, mein Allround-Kümmern und meine Finanzspritzen von einem schwarzen Loch geschluckt wurde. Die beiden Freundinnen hatte ich zwar in ihre nächsten Lebensabschnitt geschützt und versorgt hinüber begleitet und den Hund auch, doch mich hatte ich dabei in jeder Beziehung völlig überfordert. 


Wie dumm von mir, mich so abzustrampeln! Vor allem, wenn es am Ende doch umsonst war. Statt einfach den Dingen ihren Lauf zu lassen und vor allem erst einmal maximal für mich selbst und meine eigene Gesundheit zu sorgen. Ich wurde zum Verwalter, Organisator und Kümmerer meines eigenen Untergangs und gleichzeitig zu einem Jammerlappen. Ich hatte mich emotional nich tmehr unter Kontrolle. 


 Meine Psyche ist ja normalerweise schon besonders fragil, und dann das! Zwei Burnouts müssten doch reichen! Und dann lasse ich es zu, dass mir monate- ja sogar jahrelang die Nerven blank lagen! Wie oft stand ich kurz davor, ganz durchzudrehen und mich freiwillig in die Psychiatrie einzuweisen! Doch dann kam ich doch irgendwie über die Runden, fand bereitwillige, geduldige Zuhörer. Meinen Nachbarn war ich dafür sehr dankbar. Ich lebte so gerne in unserer Drachenmühle in Schwollen.


Schließlich fand ich eine schöne Wohnung, der Umzug im Juni 2017 lief auch glatt und siehe da, in der neuen Wohnung war alles bereits ideal: Ein Arbeitszimmer zum Schreiben und ein Gästezimmer zum Filzen. Und meine Ausstellung im Wohnzimmer. Warum denn auch nicht. Den Sommer über pendelte ich zwischen Wohnwagen an der Harfenmühle, meinem ruhigen, entspannten Idyll im Grünen, und meiner gemütlichen Wohnung.


Obwohl ich scheinbar alles verloren hatte und auch noch eine Weile damit beschäftigt war, die Beziehungen wieder ganz sauber zu entflechten, begriff ich schließlich, dass mir eigentlich nichts Besseres passieren konnte. Das Reset meines Lebens war offenbar dringend notwendig gewesen. Gut, ich hatte viel Arbeit, Idealismus, Geld und auch Freundschaften in den Sand gesetzt. Doch ich begriff auch, dass ich nur so aus der andauernden Überforderung heraustreten konnte. Nun bin ich also wieder in meiner Heimatstadt Idar-Oberstein angekommen und fühle mich damit pudelwohl. 


Im Frühjahr 2017 hatte ich zwei Bücher geschrieben und auf diese Babys bin ich ganz stolz. Ich finde, es lohnte sich, sie zu lesen. Mein Team riet mir, sie noch nicht zu promoten, z. B.  mit Lesungen und/oder Ausstellungen meiner Drachen. Es wäre besser, ich würde erst noch mein drittes Buch schreiben, das sei noch viel wichtiger. Und dann müsse ich ja auch erst einmal mich erholen und wieder zu mir kommen. Und so schaukelte ich mich dann geruhsam filzend und schreibend bei jedem Wetter auf dem Campingplatz auf der Hollywoodschaukel durch den Sommer. 


Obwohl meine Wohnung nun fast am Ende von Idar-Oberstein liegt, da wo es Richtung Wildenburg geht, spürte ich doch ganz klar den energetischen Unterschied, wenn ich mich länger im Wohnwagen und um ihn herum aufhielt. Die kleine Stadtflucht auf den Campingplatz tut gut. Irgendwann entschied ich dann, den Kontakt zu den beiden Freundinnen ganz abzubrechen und bis auf meine Familie auch keine neuen zuzulassen, einfach, weil ich glaubte, dass ich mich nun ganz auf das Buch konzentrieren sollte. Meine Stoffsammlung wuchs, aber damit auch meine körperlichen Probleme. 
 

Als der Herbst zu Ende ging, war ich immer noch bei der Stoffsammlung, konnte aber keine 200 m mehr laufen, so erschöpft war ich dann. Mein ganzes Leben kam zum Stillstand, ich machte offenbar einen Winterschlaf, denn dieser Zustand veränderte sich auch nicht über den Winter. 


Ich verstand einfach nicht, dass ich mich im Sommer selbst blockiert hatte mit meiner Entscheidung, mich ganz auf das Buch zu konzentrieren. Das würde alle meine Probleme lösen, die sich vor mir auftürmten, dachte ich da. Natürlich war es gut, erst einmal meine Wunden zu lecken und mich neu zu sortieren. Aber ich neige zu Übertreibungen. Eine Grenze selbst setzen war einfach nur dumm. Es machte mir Druck, wieder strampelte ich mich ab. Nichts half. Diesmal rettete mich nicht einmal die Flucht nach Portugal. Das Buch schrieb sich einfach nicht. Am ersten tag in portugal erwischte mich die grippe, ziemlichheftig sogar. Ich brach ab, wenn ich krank bin, brauche ich mein Zuhause. Auch sonst war alles eingeschlafen, keine Bestellung, nicht einmal eine Kur oder Reparatur. immerhin, ab und zu ein paar Bücherverkäufe, juche! Selbst meine Drachen schauten seit dem Umzug ganz traurig, immerhin hatten sie ihre Drachenmühle verloren. 


Irgendwann sah ich einen Aushang: Keramikkurs in Idar. Ich wusste sofort, da sollte ich hin.
Anita Reichardt, eine Keramikkünstlerin, nahm mich auch als einzige Schülerin an und es machte großen Spaß mit ihr. Auch den Ein-Personen-Kurs fand ich sympathisch, so gehe ich nämlich auch damit um. Ich unterrichtete auch schon mal Lichtfilzen oder Drachenfilzen mit nur einer Schülerin. Und nach ein wenig Einarbeitungszeit mit kleineren Dingen entstand im Ton dieser schlafende Drache, der mich daran erinnerte, dass meine ganzen Projekte gerade ruhen. Sie machten wie ich selbst gerade einen Winterschlaf. Der Drache gab mir die Zuversicht, dass er irgendwann aufwachen werde und mit ihm meine Ideen, mein Drachenweg, meine Filzkunst, meine Bücher und meine anderen Projekte, erfrischt, erneuert oder korrigiert. meine Gesundheit muss dem vorangehen, sie geht vor.


Der schlafende Drache in Keramik konnte bisher noch nicht gebrannt werden, er war zu groß für Anitas Möglichkeiten. Ich frage mich, was er mir damit sagen will... Nun liegt er bei mir Zuhause, bereit, eines Tages doch noch für mich durchs Feuer zu gehen!



In meiner Vorstellung räkeln wir beide uns gerade und werden wieder wach. Er will sich in Filz erneuern und ich meine Grippe, die ich mir im Frühjahr dann auch noch eingefangen hatte, endlich nach Wochen auch hinter mir lassen. Ich filze wieder. Und ich schreibe wieder. Und bin wieder leut-selig. Das ist wichtig. Ich liebe es doch, mit Menschen zu tun zu haben und ihre Seele zu berühren. Das bedeutet für mich "leutselig sein".


Die Kontakt-Blockade habe ich natürlich sofort aufgelöst, als mir klar wurde, dass es jetzt genügt mit meiner Einsiedelei. Ich liebe doch das Leben, die Menschen und die Erde. Meine Kuschelkunst scharrt auch schon mit den Hufen und kratzt mit den Krallen: Frühjahr, erwache! Und euch allen zum heutigen Frühlingsanfang schöne Ostern!

Marmorierte Ostereier in Filz - ich hatte grade mal Lust dazu.

LG Era Julianne

Gerne stilvoll mit Filzbändern zum Aufhängen.

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