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Was mir ein Trilobit erzählte



Gerade war mal wieder Trilobiten-Zeit. Und das lag auch daran, dass ich mit meiner Ente die Schiefergrube Herrenberg in Bundenbach besuchte. Hier meine Geschichte und meine neuen und alten Trilobiten:




Vor einigen Jahren träumte mir, ich sei in Australien und wanderte einen herrlich sauberen und feinen Sandstrand entlang. In Wirklichkeit hatte ich Australien nie besucht, wäre da aber schon mal gerne hingeflogen, wie ich mir überhaupt noch gerne mehr von der Welt ansehen wollte. Vor mir lag nur Sand und daneben das azurblaue Meer, darüber ein ebensolcher Himmel, einfach traumhaft! Plötzlich sah ich vor mir einen kleinen, leuchtend blauen Gegenstand liegen, vielleicht zehn Zentimeter lang. Als ich näher kam, erkannte ich einen himmelblauen Trilobiten und staunte. Vorsichtig nahm ich ihn hoch – und er lebte! Ich sagte zu ihm: „Aber du bist doch schon längst ausgestorben! Was tust du hier? Und außerdem bist du so wunderschön blau. Ich kenne dich nur ganz grau aus den Versteinerungen im Schiefer.“ Da wachte ich auf. 

 
Als der Filz-Trilobit entstand, erinnerte ich mich wieder an den Traum. Er sagte, er heiße Tilo Trilobit und ich liebte ihn vom ersten Augenblick. Als ich ihn azurblau überzog, tauchte die Erinnerung an den Traum wieder auf. Beim Nassfilzen merkte ich bereits, dass der Trilobit es besonders gerne mochte, wenn ich ihm durch die Rillen strich oder hinter den Kiemen kraulte. Als er trocken war, bekam er noch überall Rillen, so dass er einem Waschbrett ähnelte – und sich auch so anfühlte. 

Von vorne sah sein Gesicht ein wenig dem schmunzelnden Gallier Obelix ähnlich. Ach ja, und er erhielt noch zwei ganz lange blauseidige Fühler. 

 
Tilo war gerade fertig geworden, als ich mich für eine Fahrt ins italienische Assisi rüstete, um dort ein Seminar zu besuchen.  Tilo meldete sich und wollte unbedingt mitkommen. Ich willigte ein.
 
„Assisi, wir kommen!“ hörte ich den Trilobiten begeistert rufen, als ich mich mit dem gepackten Koffer in Richtung Wohnungstür bewegte. Das erzählte ich auch meiner Tochter. Von ihr wurde ich dann mit den Worten verabschiedet: 


 

„Mama, muss ich mir jetzt Sorgen machen, weil du dich mit einer prähistorischen Küchenschabe unterhältst?“

Auf der Fahrt sorgte Tilo dann vor allem für Bequemlichkeit, denn er hielt mein Kinn. Und abends nach dem Seminar half er, die die im Seminar aufgewühlt Energien auszugleichen. Dann setzte ich mich noch mit ihm auf den kleinen Balkon mit Blick über die ganze Stadt und sinnierte. Ich war wirklich froh, ihn dabei zu haben. Und dann bat ich ihn um einen Beitrag für die neue Webseite. Und Tilo erzählte...

 
„Ich komme aus dem Erdaltertum. Die Trilobiten sind dort die Leitfossilien für menschliche Wissenschaftler. Wenn die im Gestein einen Trilobiten finden, wissen sie: Aha, Erdaltertum. Am Ende des Erdaltertums gab es eine Umweltkatastrophe und da sind ausnahmslos alle Trilobiten gegangen. Ausgestorben sagen die Menschen dazu. Fertig mit unserer Evolution, so sehen das die Trilobiten selber. Trotzdem oder gerade deshalb sind wir bei Fossiliensuchern sehr beliebt. Sie sprechen auch von der kambrischen Explosion der Artenvielfalt. Lass mich dir davon erzählen.“
 
Tilo grinste mich an und fuhr fort.
„Wie du sicher weißt, hat das Lebendige selbst in seiner Evolution die Tendenz, sich durch Spezialisierung, Zusammenarbeit und Selbstregulation zu einem immer höheren Organismus zu organisieren, deshalb nannten eure Wissenschaftler ihn ja auch „Organismus“. Und jedes höhere Organisieren ging mit einem jeweils höherem Bewusstsein einher. So lässt zum Beispiel das Verhalten von Säugetieren erkennen, dass sie bewusster sind als Fische. Das muss ich voraus schicken, damit du mich besser verstehst.“ 

 
„Dem Kambrium vorausgegangen war eine Zeit, in der sich schon einzelne Zellen entwickelt hatten, es gab bereits Bakterien, Pilze und Algen. Und wenn man sich anschaut, wie deren Zelle aufgebaut ist, so ist selbst das alleine schon erstaunlich: So viele spezialisierte Bausteine befinden sich darin, man denke an die spiralförmige Doppelhelix der DNS, in der alle Informationen über die Zelle, das Zusammenwirken ihrer Bausteine und ihre Vervielfältigung gespeichert sind, oder nimm die Mitochondrien, das sind regelrechte Kraftwerke!“
 
„Wusstest du,“ fragte mich Tilo, „dass noch heute in jeder Zelle das Urwasser des damaligen Meeres in seiner chemischen Zusammensetzung eingeschlossen ist? Zumindest ist es nachempfunden, stell dir vor!“ 

 
Und Tilo fuhr fort.: „Nun ja, vor dem Kambrium gingen die Zellen in ihrem geringen Bewusstsein davon aus, dass jede Einzelne von ihnen frei sein sollte, selbst bestimmen und alles kontrollieren, und das war ja auch gut so. Jede Zelle bekam Selbstbehauptung mit auf den Weg. Alle hatten andererseits aber auch Angst, zum Beispiel davor, sich mit anderen zusammen zu tun, gleichzeitig sehnten sie sich aber irgendwie nach dieser Nähe. Die Zellen vermehrten sich durch Zellteilung, also durch Klonen, und sie waren dadurch eigentlich fast unsterblich. Solche Klongesellschaften schlossen sich zu Kolonien zusammen und bewohnten denselben Stein.
 
Sie blieben trotz ihrer Neugier meist sehr argwöhnisch und hielten die anderen, nicht verwandten Zellen zumindest für weniger entwickelt, wenn nicht sogar gefährlich – denn schon damals gab es die bekannten Fresszellen, und man wusste nie, ob es sich bei der fremden Nachbarzelle nicht doch um so ein gefährliches Subjekt handelte, denn die konnten ja ihr Aussehen verändern. Wie viele vertrauensselige Artgenossen waren ihnen schon zum Opfer gefallen! 

 
Später taten die gleichen Fresszellen übrigens in Menschen und Tieren einen guten Job und fraßen alle Viren und Bakterien, sobald sie in den Körper eindrangen, lange bevor diese sich dort vermehren konnten, sie bildeten nun sozusagen die Polizei im Staat und schützten ihn. Damals hinderten sich aber alle Zellen in ihrem Argwohn und ihrer Angst gegenseitig am Lernen und verstrickten sich immer mehr in sonderbare Erfahrungen. Trotzdem hatte das Ganze evolutionär auch eine Weile gut funktioniert.“
 
Tilo wurde nun richtig munter, ja enthusiastisch, als er weiter erzählte: „Ha! Aber dann kamen wir! Man vermutet, dass wir die ersten echten Tiere waren! Vor allem im Kambrium, in der Mitte des Erdaltertums, bevölkerten wir zu Billionen die Meere, auf dem Land war da noch tote Hose. Es gab fünfzehn Tausend verschiedene Arten von Trilobiten, sie wurden bis zu fünfundsiebzig Zentimeter groß und waren ganz bunt. Da staunst du, was? Und wie konnte es zu dieser Artenexplosion im Kambrium kommen?“ fragte er. 

 
Aber es handelte sich nur um eine rhetorische Frage, denn gleich fuhr er fort: „Nun, einzelne Zellen entdeckten, dass es bei der Zusammenarbeit als Zellverband einen Trick gab, der Vertrauen schuf, das Richtige gemeinsam zu tun. Dieser Trick brachte plötzlich und unerwartet alle einzelnen Zellen zueinander in Harmonie, so dass sie ideal zusammenarbeiten und miteinander leben konnten. Und was war der Trick?“
 
Auf seine zweite rhetorische Frage fiel ich nicht herein, bei der ersten hatte ich tatsächlich noch zu einer Antwort angesetzt, nun wartete ich einfach geduldig darauf, dass Tilo weiter erzählte. 

 
„Nun, unsere Zellen haben ihren Fokus auf das Leben selbst gerichtet, auf das Große Eine, das allem zu Grunde liegt. Sie waren erst einmal dankbar und haben dann erspürt, was das Leben selbst durch sie als nächstes erfahren wollte und von da an bei ihrem Handeln immer dieses höhere Bewusstsein mit einbezogen. Und rate mal, was dann passierte: Das Tier war entstanden. Wir haben es erfunden!“ 

 
„Das Bewusstsein des Tieres erkannte sich natürlich noch nicht selbst, so wie ihr es als Menschen gewöhnt seid, aber es funktionierte schon besser als ein Ganzes. Die Selbsterkenntnis blieb dem Menschen vorbehalten, der nächsten evolutionären Stufe. Es gab mich also als einen Organismus, den Trilobiten, aber ich bestand auch aus Billionen einzelner Zellen, die sich durch gemeinsame Einstimmung auf das Große Eine optimal organisiert und gemeinschaftlich versorgt hatten – und sie lebten glücklich und viel sicherer dabei, als jeder für sich alleine. Die nächste Stufe der Evolution war erreicht. Und es konnte auch schon etwas mehr an guten Gefühlen erzeugt werden: Wir erfanden nämlich auch den Sex! Und das Große Eine lehnte sich zurück und war zufrieden. Mit uns war es schon ein wenig deutlicher in seiner Schöpfung aufgewacht.“ 

 
Ich dachte lange nach über das, was mein Freund Tilo mir da erzählte. Ich konnte Tilos These über die Entwicklung der Arten und die Entwicklung des Bewusstseins nachvollziehen, so wie er es erklärte. Und in einer meiner Lieblingstheorien stellte ich mir sogar die Erde selbst als einen einzigen Organismus vor, der sich gerade mit den Menschen als Hirnzellen zu der nächst höheren Bewusstseinsstufe entwickelt, dabei spielt das Internet als Vernetzung der 'Hirnzellen' eine wichtige Rolle. Der Kreislauf des Wassers auf der Erde war dem zirkulierenden Blutkreislauf doch sehr ähnlich. Und alle Arten von Lebewesen hatten sich wie Körperorgane auf bestimmte Aufgaben spezialisiert und alles auf der Erde lebte direkt oder indirekt von Sonnenlicht. Möglicherweise entstand gerade ein Riesenorganismus, der den Planeten umspannte und der zu einem eigenen geeinten Bewusstsein erwachte.


 
Und wer weiß, vielleicht würde er irgendwann einmal in der Lage sein, sich durch Zellteilung zu vermehren und mit einem Teil seiner planetaren Substanz durch das Universum zu reisen. Und weil es ein so großer und mächtiger Organismus wäre, könnte er sich bestimmt in einem beliebigen Sonnensystem die Substanz aus planetaren Nebeln in die ideale Umlaufbahn eines Fixsterns ziehen, um dort erneut zu wachsen und sich zu teilen.
 
Eine hoch bewusste Lebensform Gaia, die das Universum besiedelte! Ich mochte diese Theorie und ich kannte sie schon von Ken Carey.  

 
Und so wenig, wie eine einzelne meiner Körperzellen wahrscheinlich davon mitbekam, was ich selbst so dachte und fühlte, wussten wir Menschen von dem Bewusstseinszustand von Gaia. Dieses geeinte Wesen müsste dann doch viel bewusster sein als jeder einzelne Mensch. Und der Unterschied war bestimmt so groß wie zwischen mir und einer meiner Hirnzellen. Aber was wusste ich andrerseits, wie bewusst eine Hirnzelle wirklich war. Dachte und fühlte die Erde längst als eigenständiges Wesen? Wurde sie sich gerade bewusst, dass sie genau sie selbst war?
 
Und: Wenn sich in einem Menschenkörper eine Zelle nicht nach dem größeren Ganzen ausrichtete, sondern wild drauf los wucherte, dann nannten die Menschen das Krebs und versuchten die Krankheit zu bekämpfen. Sonst begann sie unweigerlich nonstop zu wuchern und sich über den ganzen Körper auszustreuen und ihn zu zerstören. 

 
 
Hatte das nicht eine gewisse Ähnlichkeit damit, wie moderne Menschen sich über alle Erdregionen ausgebreitet hatten und die natürliche Umwelt und das Klima der Erde zerstörten? Ging es also darum, dass die Menschen als planetare Zellen lernten, sich nicht wie Krebszellen zu benehmen – in dem sie in Einklang mit der Biosphäre und in Harmonie mit dem größeren Ganzen dachten, fühlten, handelten und lebten?
 
 Entschieden JAAAAAA!



Diesen Text und viele andere Texte und Bilder findest du auch auf meiner Lichtfilz Webseite.

LG Julianne

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